Building Information Modeling

Konzept für Planungssicherheit

Von Karl-Heinz Möller · 2015

Eine bessere Abstimmung zwischen Planung und Ausführung von Bauten bedeutet weniger Planungsfehler, Kosten- und Zeitersparnis und Wegfall wiederholter Dateneingaben. Methoden wie bim könnten per Datenaustausch unter den Beteiligten dazu führen, Fehler und teure Korrekturen zu vermeiden.

Es braucht wenig Vorstellungskraft, die Zahl der Details bei Bauprojekten mit einigen Tausend zu beziffern. Da liegt es nahe, über Systeme nachzudenken, die für einen Bau notwenigen Prozesse zu optimieren. Mit Building Information Modeling bim steht eine solche Methode zur Verfügung. Auch wenn die Skepsis hierzulande immer noch groß ist, vor allem bei Architekten, die Einschränkungen in ihrer Kreativität orten, bietet bim Vorteile, die allgemein anerkannt sind. Viele sehen darin eine große Chance, beim Bauen Kosten und Zeit zu sparen. International operierende Experten prognostizieren daher: bim wird kommen!

Für Großprojekte bald obligatorisch

Building Information Modeling ist seit mehreren Jahren ein fester Begriff in der Planung und interdisziplinären Abwicklung von Bauprozessen. Mit der Verabschiedung einer Richtlinie für das EU-Vergaberecht wurde bestimmt, dass bis 2016 alle Mitgliedsstaaten der EU die Nutzung von bim in der Umsetzung öffentlich finanzierter Bau- und Infrastrukturprojekte anordnen können. Die Integration im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bei Minister Dobrindt, die Etablierung der Reformkommission Bau von Großprojekten und die Einberufung einer bim-Task-Group deuten ebenfalls darauf hin, dass auch Deutschland mitwirken wird.

Unterdessen sind andere Staaten deutlich weiter. In den USA beispielsweise ist bim ein praktizierter Standard. Richtlinien geben vor, was vor allem in vielen Großstädten beachtet werden muss. In Großbritannien soll bim für alle öffentlich finanzierten Bauvorhaben im kommenden Jahr Pflicht werden. Die Hoffnungen, die die Akteure an bim knüpfen, sind bessere Abstimmung der Planer und Gewerke, weniger Planungsfehler, Kosten- und Zeitersparnis, der Wegfall wiederholter Dateneingaben und eine Kollisionskontrolle auf Knopfdruck am 3D-Modell. Computergestützte Simulationen zur Statik oder zum Energiebedarf sollen ebenfalls aus dem 3D-Modell sichtbar gemacht werden.

Digitale Kette für alle Planungsmomente

So beschert die Konkurrenz aus dem Ausland den einheimischen Akteuren einen gewissen Druck. Besonders die international tätigen Konzerne kommen nicht um bim herum. Wobei die meisten großen Unternehmen schon aus Wettbewerbsgründen sich damit intensiv beschäftigen. Die Vorstellung einer digitalen Kette, die alle Momente der Planung und des Betreibens eines Gebäudes verbindet, ist nicht neu. Allianzen wie buildingsmart e.V. setzen sich für Methoden wie bim ein. Der unabhängig agierende Verein fördert offene Schnittstellen und damit die OPENBIM-Methode in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie steht für hohe Qualität bei der Festlegung von Standards und Lösungen. Auch die Politik sieht in diesem Umfeld die Zukunft. Vor dem Hintergrund einiger Baudesaster gab die 2014 vom Bund eingesetzte Reformkommission für Großprojekte diese Richtung vor. Im Mai sagte Minister Dobrindt: „Modernes Bauen heißt: erst virtuell und dann real bauen“.

Katastrophen wie BER und Elbphilharmonie haben ihre Spuren hinterlassen und – so hoffen die Politiker – sollen sich möglichst nicht wiederholen. Soweit so gut. Es existieren noch eine Reihe unbeantworteter Fragen: Wer zahlt dem Architekten den zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Erstellung eines 3D-Modells? Wer haftet im Streitfall für die Richtigkeit der im Modell hinterlegten Daten? Und wie funktioniert der Datenaustausch zwischen Softwarepaketen unterschiedlicher Hersteller?

BIM bietet auch für die Baustellenlogistik Potenziale. Eine Vision, an deren Realisierung derzeit vor allem in Schweden gearbeitet wird, ist die fertig konfektionierte, palettenweise „Just-in-Time-Anlieferung“ erforderlich­en Baumaterialien direkt an den Bestimmungsort der Baustelle. Die Zukunft auf dem Bau hat schon begonnen.

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