Projektmanagement

Geduldsprobe Baustelle

Von Katharina Gneuss und Katharina Lehmann · 2014

Wenn die öffentliche Hand baut, wird es in der Regel teuer. Zahlreiche Planänderungen, nicht einkalkulierte Risiken und unklare Zuständigkeiten behindern manch ein Bauprojekt. Doch es geht auch anders.

Die Millionengräber der deutschen Baulandschaft ziehen sich durch das gesamte Bundesgebiet. Der Berliner Hauptstadtflughafen ist auch Jahre nach dem geplanten Eröffnungstermin noch nicht fertig. Neuer Termin: wahrscheinlich im Herbst 2016. Im Falle der Hamburger Elbphilharmonie ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft, warum die Kosten von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro ansteigen konnten. Die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben. In Köln brachte der Bau einer neuen U-Bahn-Linie gar das historische Stadtarchiv zum Einsturz. Der U-Bahn-Bau verzögert sich – statt wie geplant 2010 soll die Linie nun 2019 in Betrieb gehen.

Berliner Autobahn ein Jahr früher fertig

Es gibt jedoch auch Erfolge, doch es geht auch anders. So sollte zum Beispiel die Sanierung der Berliner Stadtautobahn Avus ursprünglich bis Ende 2013 andauern. Die Arbeiten an dem Autobahnstück zwischen Messezentrum und Wannsee waren bereits im November 2012 beendet. Der Grund: Für eine frühere Fertigstellung winkte der zuständigen Baufirma eine Prämie von bis zu einer Million Euro. Trotzdem war das Projekt im Endeffekt kostengünstiger als zuvor veranschlagt. Insgesamt nur 24 Millionen Euro der geplanten 27,6 Millionen Euro wurden benötigt.
Hätte die bauausführende Firma den Termin nicht einhalten können, wäre ein Strafabzug fällig geworden. Es ist vor allem diese Bonus-Malus-Regelung, die in der Vergangenheit wiederholt für städtische Bauprojekte gefordert wurde. „Das ist durchaus vorstellbar, muss aber in jedem Einzelfall genau geprüft werden“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Generalunternehmer mit Erfahrung

Und es gibt noch weitere Ansätze, wie Pleiten, Pech und Pannen vermieden werden können. „Für große öffentliche Bauprojekte muss ein Generalunternehmer eingesetzt werden, der Erfahrung auf dem Gebiet hat und auch am unternehmerischen Risiko beteiligt ist“, fordert der Karlsruher Professor Werner Rothengatter. Auf den ersten Blick kann das zwar teurer werden, weil Generalunternehmer Projektplanungen strenger betrachten und von vornherein Risiken einkalkulieren. Im Endeffekt hielten sie aber diesen Kostenrahmen während der Projektphase dann ein. Doch die Politik neigt eher dazu, die wahren Kosten klein zu rechnen, um die Akzeptanz für ihre Bauprojekte zu erhöhen, meint Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). „Sie befürchten, dass die Projekte ansonsten nicht durchsetzbar wären.“ Der HDB fordert deshalb, dass beim Bieterverfahren − ähnlich wie in der Schweiz − der billigste Anbieter ausgeschlossen wird.

Survival of the unfittest

Bent Flyvbjerg, Professor für Stadtplanung an der Universität Oxford, nennt dieses Phänomen „Survival of the unfittest“. Weltweit hat er 260 Großprojekte unter die Lupe genommen und die veranschlagten mit den tatsächlichen Kosten verglichen. Ergebnis: Im Durchschnitt schossen die untersuchten Großprojekte um rund ein Drittel über das Kostenziel hinaus. Sein Vorschlag: Ein projektabhängiger Faktor, der bereits vor Baubeginn in die Kalkulation einfließt, soll den Kostenentgleisungen Einhalt gebieten. Dieser Faktor kann sich um nahezu die Hälfte verringern, wenn die zuständige Bauleitung besonderes Spezialwissen oder Erfolge vorweisen kann.

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